PNP-Artikel v. 23.03.06
Ja zu Medizinischem Versorgungszentrum
Stadtrat befürwortet Ärztezentrum im Klinikum
von Christian Karl
Der Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) innerhalb des Klinikums Passau beschlossen. Mit der Realisierung dieses Vorhabens geht das Klinikum künftig gestärkt in den Konkurrenzkampf vor Ort.
Vor allem in bestehenden und noch geplanten Passauer Ärztehäusern, in denen Mediziner unterschiedlicher Fachrichtungen kooperieren und sich auf ambulante Untersuchungen spezialisiert haben, dürfte dieser Beschluss mit Skepsis beobachtet werden. Bis dato war die Konkurrenz außerhalb des Klinikums rechtlich bevorzugt, mussten auch Klinikums-Patienten z.B. für radiologische Vor- und Nachuntersuchungen diese Praxen ansteuern.
In nichtöffentlicher Sitzung wurde nach PNP-Informationen der Beschluss pro MVZ einstimmig gefasst. Zweck dieser als städtische GmbH geführten Einrichtung ist laut Beschluss, „den Bedarf der Bevölkerung an ambulanten ärztlichen Leistungen (...) im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge zu gewährleisten. Gegenstand des Unternehmens ist der Betrieb eines MVZ unter ärztlicher Leitung am Klinikum Passau zur ambulanten fachübergreifenden vertragsärztlichen und privatärztlichen Versorgung“. Die Formulierung hat einen aktuellen Hintergrund: Jüngst gab es vereinzelt Verärgerung bei Patienten, weil sie aufgrund rechtlicher Vorschriften für ambulante Behandlungen - z.B. radiologische Untersuchungen oder gefäßchirurgische Eingriffe - außerhalb des Klinikums behandelt werden und durch die Stadt fahren mussten, obwohl die Versorgung im Klinikum auch möglich gewesen wäre.
Laut Gesundheitsmodernisierungs-Gesetz von 2004 ist jedoch Kommunen möglich, selbst Medizinische Versorgungszentren (MVZ) zu gründen. Klinikums-Werkleiter Gottfried Kobluk hatte jüngst immer wieder beteuert, nicht mit niedergelassenen Ärzten konkurrieren zu wollen. Vielmehr gehe es ihm bei der ambulanten Versorgung im Hause zuvorderst um akute Fälle, wo z.B. Operationen anstehen. „Die enge Zusammenarbeit zwischen MVZ und Klinikum ist patientenfreundlich und erspart den Patienten Irrfahrten und Umwege“, meint Kobluk, der jetzt mit der Umsetzung der MVZ beauftragt wurde. Bis dato ist nach PNP-Informationen von drei bis vier Ärzten die Rede, mit denen das MVZ noch heuer starten könnte.
Eingangs der Plenumssitzung hatte Stadtrat Urban Mangold noch versucht, für das geplante MVZ die Rechtsform einer nichtöffentlich tagenden GmbH zu verhindern, um Transparenz zu gewährleisten. Der ödp-Fraktionschef pochte auf einen Eigenbetrieb ähnlich dem des Klinikums. Dieses Ansinnen wurde vom Stadtrat nicht zuletzt aus rechtlichen Gründen abgelehnt.
