PNP-Artikel v. 02.10.06
Patienten sollen weite Wege erspart werden
Medizinisches Versorgungszentrum wird auf dem Gelände des Klinikums eröffnet -
„Wir wollen am Markt teilhaben“
Wo im Klinikum Passau einst die Notaufnahme untergebracht war, ist in den vergangenen Wochen ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) eingerichtet worden. Am Mittwoch beginnen die beiden Ärzte Dr. Peter Knauer und Dr. Rüdiger Klaus Wagner ihre Arbeit.
Medizinische Versorgungszentren ähneln im Prinzip den bisher bekannten Gemeinschaftspraxen: Mehrere Ärzte tun sich zusammen, ihre Fachbereiche ergänzen sich, dem Patienten werden weite Wege erspart. Außerdem erhöht sich die Effizienz. In den Medizinischen Versorgungszentren können alle an der Medizin Beteiligten tätig sein, also auch z.B. Apotheker und Physiotherapeuten. Das Konzept wird gut angenommen, es gilt als Modell der Zukunft. In Hauzenberg und Wegscheid wurden bereits MVZ eingerichtet.
Auch das Klinikum Passau entschloss sich zur Gründung eines MVZ. Dem Klinikum war es wegen gesetzlicher Regelungen nicht erlaubt, ambulante Dienste wie z.B. eine Röntgenaufnahme von einem verheilten Knochenbruch zu leisten. Das ist niedergelassenen Ärzten vorbehalten. Die Kassenärztliche Vereinigung achtet penibel darauf, dass diese Bestimmung nicht umgangen wird - zumal in Passau am Schießstattweg eine große und sehr leistungsfähige Radiologie privatwirtschaftlich aufgebaut worden ist.
Mit der Eröffnung eines MVZ holt sich das Klinikum diese Möglichkeit zurück. „Das MVZ ist eine überfällige, notwendige Korrektur dieser Entwicklung“, sagt Dr. Rüdiger Klaus Wagner, der im MVZ die Fachrichtung Radiologie und Nuklearmedizin abdeckt. Er spricht von einer optimalen Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung. Zudem ermögliche es die Zusammenarbeit mit den Spezialabteilungen des Klinikums.
Der zweite Arzt im MVZ, Dr. Peter Knauer, legt großen Wert auf die kurzen Wege. Knauer ist Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie und Durchgangsarzt der Berufsgenossenschaften. „Nach ambulanter Behandlung kann es immer wieder einmal vorkommen, dass man einen Patienten gerne zur Beobachtung einen Tag stationär da behalten möchte“, sagt Knauer. Bisher hatte der Chirurg seine Praxis im ehemaligen Fürstenzeller Krankenhaus. Sein Weggang hatte zu einer politischen Diskussion um die Zukunft des Fürstenzeller Hauses geführt.
„Der Markt im medizinischen Bereich wird liberalisiert“, sagt Klinikum-Verwaltungsleiter Gottfried Kobluk. „Das Klinikum will an diesem Markt teilhaben.“ Man war deswegen bereit, rund 150 000 Euro zu investieren.
Ein Nachteil dieser Entwicklung ist allerdings, dass es immer weniger Fachärzte in freien Praxen gibt, zumal die Krankenkassen auch verstärkt auf den klassischen Hausarzt setzen.
